Konzepte Schulentwicklung Tablet in der Schule

Neun Hinweise zur Umsetzung einer Tablet-Klasse in der Schule

Mit der rasanten Entwicklung neuer Formen digitalen Arbeitens und Lernens nimmt auch die Entwicklung an den Schulen Fahrt auf. An vielen Schulen stecken Projekte zur Einführung oder zum Test von Tablets in den Startlöchern, andere Projekte konnten bereits positive Erfahrungswerte für das Arbeiten mit dem Tablet im Unterricht erbringen. Doch welche Aspekte sind zu beachten?

Trotz aller Erfolgsmeldungen und häufig euphorisch vorgetragenen Begehren nach „mehr Digitalisierung“ bedarf es einer gründlichen und umfassenden Planung aller Schulentwicklungsprojekte in diesem Bereich. Große Herausforderungen stellen in der Regel die Planung der Finanzierung der Geräte, die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur und die Gewährleistung von Schulungen für Lehrkräfte dar.

Welche Aspekte bei der Umsetzung zu beachten sind

Sollten Sie ein Tablet-Projekt planen, sollten Sie sich zunächst über Ziele und Vorgehensweise klar werden. Dazu hilft eine Strukturskizze mit den wichtigsten Aspekten, die auch wir zu Beginn zusammenstellten, um das Vorgehen zu visualisieren.

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Beispiel für eine Planungsabbildung – Ziele, Technik und Basis-Apps – ©POE 2017

Bevor dann viel Geld für ein Digitalisierungsprojekt fließt, müssen wichtige Planungspunkte beachtet werden. Einige der wichtigsten Aspekte versuche ich hier kurz und knapp auf Basis eigener Erfahrungen zusammenzufassen:

1. Grundlegendes (didaktisches und technisches) Konzept:

Vielen Tablet-Nutzern ist völlig klar, dass nicht die Nutzung der neuen Technik an sich, sondern der spezifische didaktische Mehrwert des neuen Mediums den Kern jeder Konzeptarbeit ausmachen sollte. So führen Tablets keinesfalls zu besserem Unterricht, wenn das entsprechende Konzept fehlt – und nur die höhere Motivation der Schülerinnen und Schüler ist kein hinreichendes Kriterium, um eine solch finanzintensive Entscheidung zu treffen. Daher kommt einem fundierten didaktischen Konzept größte Bedeutung zu.

Deshalb sollten Sie sich erstmal ganz grundlegend fragen:

  • Warum wollen Sie Tablets im Unterricht einsetzen?
  • Welche pädagogischen Ziele wollen Sie erreichen?
  • Welche didaktischen Ziele wollen Sie (in Ihren jeweiligen Fächern) erreichen?
  • Wie lässt sich das Tablet inhaltlich und methodisch in den Lernprozess integrieren?
  • Gibt es bereits ein Medienkonzept an Ihrer Schule? Welche Rolle kann das Tablet darin einnehmen?
  • Wie muss der technische Rahmen gestaltet sein, um eine effiziente Arbeit zu gewährleisten?
  • Ab welcher Klasse erscheint der Einsatz von Tablets sinnvoll? Wollen Sie schon in der Sekundarstufe I mit Tablets arbeiten oder erscheint Ihnen ein Einsatz bspw. im Jahrgang 9 zu früh und Sie möchten den Fokus lieber in Richtung Sekundarstufe II legen? Von dieser Frage hängen viele Entscheidungen ab, läuft doch der Unterricht in den unterschiedlichen Jahrgängen auch ganz unterschiedlich ab und erfordert jeweils unterschiedliche Methoden.

Insgesamt: Eine erste wichtige Erfahrung in viele Projekten ist, das Tablet als alltägliches Arbeitsmedium zu „versachlichen“, ihm den Reiz der neuen Technik gewissermaßen etwas zu nehmen und die sachliche Arbeit damit im Fokus zu halten. Ziel sollte dabei immer der didaktische Mehrwert im Vergleich zu anderen Medien oder die Erweiterung von Kompetenzen, insbesondere der Medienkompetenz, sein – nicht die Nutzung des Tablets an sich.


2. Technische Voraussetzungen:

Vor der flächendeckenden Anschaffung von Tablets für den Unterricht sind wichtige technische Voraussetzungen zu klären. Seitens der Schule betrifft dies insbesondere folgende Aspekte:

  • Verfügt die Schule über einen Breitbandinternetzugang, der ausreichend Bandbreite gewährleistet, wenn viele Geräte parallel auf das Internet zugreifen?
  • Haben Sie in der Schule ein flächendeckendes und stabiles WLan? Haben Sie an den entsprechenden Stellen Access-Points platziert, um eine durchgängige und gute Ausleuchtung der im Tablet-Projekt verwendeten Schulräume zu garantieren?
  • Verfügen Ihre Klassenräume über Beamer und ggf. auch Möglichkeiten, das Bild drahtlos auf diese Beamer zu übertragen (AirPlay, Chromecast o.ä.)?

Ohne passende Beamer verlieren Tablets schnell einen ihrer großen Vorteile: Das Teilen und Präsentieren von Ergebnissen sowie Unterrichtsinhalten allgemein.


3. Finanzierung:

Eine der größeren Hürden bei der Einführung von Tablet-Klassen ist sicherlich die Finanzierung der Geräte. Je nach (schultauglichem) Gerät fallen im Schnitt zwischen 250 und 500 Euro an. Bestehende Schulen mit Tablet-Klassen haben verschiedene Lösungsansätze gefunden:

  • Kauf und/oder Finanzierung durch Schülereltern: Bei dieser Variante haben die Eltern meist die Möglichkeit das Tablet selbst zu kaufen oder aber für das Tablet regelmäßige Raten zu bezahlen, bis das Gerät schließlich komplett den Schülern gehört. Ein ausgearbeitetes, durchdachtes Konzept hilft, die Eltern der Schüler von der Übernahme der Kosten für ein Tablet zu überzeugen. Leichter wird dieser Punkt natürlich, wenn sich die Eltern bewusst für die Anmeldung Ihres Kindes in einer Tablet-Klasse entscheiden.
    Da die hohen Kosten nicht von allen Eltern selbst getragen werden können, sollte für diese Fälle eine Kostenübernahme (z. B. durch den Förderverein) oder ein Pool an Leih-Tablets vorhanden sein. Der große Vorteil des 1:1-Ansatzes mit Elternfinanzierung zeigt sich in folgenden Punkten, die wir am THG grundlegend formuliert hatten, nachdem das Konzept feststand:
  • Wir werden den individuellen Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerechter werden, wenn jeder sein eigenes mobiles Gerät besitzt.
  • Neue Lernwege können sinnvoll gestaltet werden, wenn das Tablet in vielen Fächern jederzeit dem einzelnen Schüler zur Verfügung steht. Die SuS bekommen die Möglichkeit ortsungebunden in der Schule oder zu Hause individuell oder in Gruppen zu arbeiten. Ebenso ist das Teilen von Arbeitsergebnissen leichter möglich.
  • Der Aufbau eines eigenen Bestandes von Apps kann das volle, individuelle Potenzial von Tablets ausschöpfen. Hier ist aber die konsequente Kontrolle seitens der Schule wichtig.
  • Gehört allen SuS ein Tablet, so setzen sie sich stärker mit dem Gerät auseinander. Sie lernen die Konfiguration der Oberfläche, die Systemeinstellungen und die Verwaltung von Apps einschließlich der Privatsphäre-Einstellungen fundiert kennen. Aufgrund der hohen Anzahl „digitaler Analphabeten” unter Jugendlichen ist dies nicht zu unterschätzen.
  • Gehört allen SuS ein Gerät, übernehmen sie die Verantwortung dafür. Die Erfahrung zeigt, dass im Vergleich zu Schulgeräten wesentlich weniger Probleme auftreten. Dies betrifft
    • das Laden der Geräte,
    • den technischen Zustand
    • und den guten Umgang mit dem Gerät.
  • Finanzierung durch die Schule bzw. den Förderverein: Eine weitere Option stellt die Beschaffung der Geräte durch die Schule evtl. mit Unterstützung des Fördervereins dar. Damit die Kosten tragbar bleiben, steht ein Tablet meist mehreren Schülern zur Verfügung. Der Einsatz der Geräte erfordert mehr organisatorischen Aufwand, da sich die Lehrkräfte über die Nutzungszeiten abstimmen müssen, und ein Profilsystem häufig etwas fehleranfälliger ist bzw. die App-Auswahl und App-Nutzung dann häufig schwieriger ist.
  • Bring Your Own Device (BYOD): BYOD bedeutet, dass jeder Schüler sein bzw. ein im Haushalt vorhandenes Gerät mitbringt, um in der Schule damit zu arbeiten. Besonders gut klappt das bereits, wenn Smartphones gefragt sind. Die JIM-Studie 2016 zeigte, dass 97% der Mädchen und 93% der Jungen ein eigenes Smartphone besitzen. Über ein eigenes Tablet verfügen aber nur rund 30% der befragten 12- bis 19-Jährigen. Während viele Aufgaben (z. B. Recherchieren) auch mit einem Smartphone bewältigt werden können, ist die Erstellung z. B. von Präsentationen auf dem kleinen Gerät schwierig. Auch die unterschiedlichen Betriebssysteme erschweren das Arbeiten. Für einen Probelauf oder einzelne Projekte ist das Konzept BYOD sicherlich gut geeignet. Bei einem dauerhaften BYOD-Ansatz für eine Tablet-Klasse können jedoch Schwierigkeiten auftreten. Viele Projekte, so auch am THG Göttingen, setzen daher auf einheitliche Geräte, um das System so einheitlich und einfach wie möglich zu gestalten.

4. Wahl von Betriebssystem und Gerät:

Die Entscheidung für das favorisierte Betriebssystem ist mindestens genauso wichtig wie die Wahl des Geräts selbst. Im Wesentlichen müssen Sie sich zwischen Android-, iOS- und Windows-Geräten entscheiden.

Um einen relevanten Unterschied zu nennen: Beim Apple-Betriebssystem iOS handelt es sich um ein geschlossenes System, das nur Anwendungen erlaubt, die durch den Anbieter geprüft und freigegeben werden. Einerseits führt dies zu mehr Sicherheit gegenüber Viren und Malware, andererseits sind aber nur Anwendungen zugelassen, die der Anbieter für richtig hält. Offene Systeme wie Android erlauben eine weit größere Freiheit bei der Auswahl an Anwendungen, Anbietern und bei Downloadportalen. Aufgrund der entsprechend geringeren Sicherheit empfiehlt es sich hierbei eine  Anti-Virus Software und eine Firewall zu nutzen.

Bei den Tablets spielen Haltbarkeit (z. B. Gehäuse aus Metall), einfache Bedienung, Datenschutz, ausreichend Speicherplatz und Akkulaufzeit eine große Rolle.

Inzwischen haben alle Anbieter erkannt, welche Chance der Einsatz der Geräte an Schulen auch für sie bringt und bieten spezielle Features, Apps und Sparangebote für Bildungseinrichtungen an.

Erfahrungsbericht: Warum Apple am Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen?

Basierend auf den Erfahrungen anderer Schulen mit Tabletklassen ist ein essentieller Grundpfeiler aller Planungen am THG ein Programm, das es den Lehrkräften ermöglicht, die Tablets der SuS im Unterricht zentral zu verwalten, ggf. zu steuern und damit den zielführenden Einsatz zu gewährleisten.

Eine solche Anwendung, die sowohl praktikabel, intuitiv bedienbar als auch für einen konzentrierten Unterricht über den vollen, vom THG geforderten Funktionsumfang (Kontrolle, Steuerung, Verwaltung, Aufgabenverteilung) verfügt, bietet nur die von Apple kostenlos angebotene „Classroom“-App für iPads, ggf. in Kombination mit einem MDM-System[1] von „ZuluDesk“: Zum Stundenbeginn „betreten“ die SuS den Klassenraum (per Bluetooth und WLAN), ab diesem Moment kann die Lehrkraft die Geräte zentral steuern, Apps öffnen, Arbeitsblätter verteilen, bestimmte Apps sperren (z.B. Internet) und damit eine hohe Konzentration auf die tabletbasierten Aufgaben gewährleisten, was eine Grundforderung des THG voll erfüllt. Basierend auf bisherigen Erfahrungen mit Tablets der Marken Microsoft (Surface Book) und Asus bieten die Tablets von Apple neben dieser essentiellen Grundbedingung jedoch auch weitere Vorteile:

  • Apple bietet ein einheitliches System für konsequente Nutzung auf SuS- und Kollegenseite
  • Die intuitive Handhabung des iOS-Betriebssystems ermöglicht schnelle Lerneffekte
  • Das Betriebssystem bietet eine hohe, weitgehend absturzfreie Verlässlichkeit
  • Apple überzeugt mit einem schlüssigen Schulkonzept („Apple Education“), das Schulen auf dem Weg in die zunehmende Digitalisierung des Unterrichts unterstützt
  • Apple-Produkte bieten einen hohen Werterhalt und damit gute Wiederverkaufskonditionen
  • Das THG erhält für diverse Produkte (Apps etc.) Sonderkonditionen („Apple School Manager“)

Uneigennützig ist dieser Service natürlich nicht: Die Wahl eines Betriebssystems und Geräts für den Schuleinsatz kann großen Einfluss auf das zukünftige Kaufverhalten der Schüler haben. Wir halten es deshalb für wichtig, diesen Punkt zum Teil der Medienerziehung zu machen und die Gerätewahl mit den Schülern zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen.


5. Fortbildung der Lehrkräfte:

Die Landesregierung hat im Juli 2016 das Landeskonzept „Ziellinie 2020″ beschlossen. Das Konzept fasst alle Maßnahmen und Ziele zusammen, die sich das Land mit Blick auf das Thema Medienbildung bzw. Bildung in der digitalen Welt gegeben hat. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Qualifizierung der Lehrkräfte: „Die Medienbildung wird deshalb künftig bei der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte an niedersächsischen Schulen noch wichtiger werden. Zum einen werden entsprechende Inhalte bereits in die Lehramtsausbildung integriert. Zum anderen werden den Lehrerinnen und Lehrern, die bereits an Niedersachsens Schulen arbeiten, entsprechende Fort- und Weiterbildungen angeboten.“ (Ziellinie 2020)

In Hinblick auf das Ziel eines Tablet-Projektes, unter Berücksichtigung neuer Anforderungen aus Gesellschaft und Politik ausdrücklich Multiplikatorwirkung zu entfalten und in das Kollegium im Sinne kontinuierlicher Schulentwicklung hineinzuwirken, können unterschiedlichste Fortbildungsmöglichkeiten genutzt werden. Am THG sind in einer ersten Sammlung die in der folgenden Abbildung visualisierten Möglichkeiten zusammengestellt worden.

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Fortbildungskonzept am Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen (Geplante Möglichkeiten) – ©POE 2017

Trotz allem Interesse am Projekt, trotz vielfacher Begeisterung für das Thema: Eine anfängliche Ablehnung ist nicht selten und häufig einer Unsicherheit im Umgang mit der Technik geschuldet. Wer will sich schon vor den Schülern blamieren, die im Umgang mit der digitalen Technik in der Regel ziemlich fit sind.

Tiefer noch sitzen Bedenken von Technik-Pessimisten, die den Einsatz digitaler Technologien kategorisch ablehnen und gerne die Argumente des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer zitieren, der Computer als „Lernverhinderungsmaschinen“ ansieht.

Dieser Sicht kann man entgegenstellen, dass eine Digitalisierung an Schulen keine abrupte oder fundamentale Veränderung oder Ablehnung der erprobten Unterrichtstechniken bedeutet. Die digitale Technik bietet aber neue und zeitgemäße Möglichkeiten, die für den Unterricht genutzt werden und ihn bereichern können.

Zudem können die Schüler durch den angeleiteten Umgang mit der digitalen Technik ihre Medienkompetenz verbessern. Dieses Wissen hilft ihnen sowohl im privaten Umgang mit der Technik sowie auch für ihre berufliche Zukunft.

Nur wenn alle breit sind, das Konzept zu tragen, zu verwirklichen und weiterzuentwickeln, kann es aber Erfolg haben. Ein gutes Konzept ist dabei die wichtigste Überzeugungsgrundlage.
Im Fall der Tablets ist der Umgang mit der Technik der Geräte schnell erlernt. Besonders wichtig ist es, die passenden Anwendungen für die unterschiedlichen Fächer und Klassenstufen kennen und anwenden zu lernen. Und da beständig neue entwickelt werden, ist es mit einer einmaligen Fortbildung nicht getan.


6. Aufbewahrung:

Aufgrund des hohen Wertes der Tablets werden sichere Aufbewahrungsmöglichkeiten, wie abschließbare Schränke, benötigt.
Wie für Laptops gibt es inzwischen aber auch Tablet-Locker, in denen die Geräte nicht nur sicher verwahrt, sondern je nach Modell auch geladen und synchronisiert werden können. Je nach Bedarf können Sie zwischen rollbaren Koffern und Wagen oder fest montierten Tabletschränken wählen.

Am THG haben wir uns für feste Schränke mit integrierter Ladefunktion entschieden – die teuerste Option, aber auch sehr sicher und robust. In der Anwendung haben sie sich bisher voll bewährt und werden von den Schülerinnen und Schülern gerne genutzt.

Nehmen die Schüler ihr Tablet mit nach Hause, ist es sinnvoll, in den Tablet-Nutzungsregeln festzuhalten, dass das Tablet immer mit einem voll aufgeladenen Akku mitzubringen ist.


7. Einführung des Geräts bei Schülern:

Sind die genannten Punkte abgearbeitet, kann der Einsatz des Tablets im Unterricht starten! Den Anfang sollte immer eine Einführung der Schüler in die Arbeit mit dem Tablet machen. Denn obwohl die meisten Schüler fast mit ihrem Smartphone verwachsen scheinen, sind anfangs noch Wenige mit dem Erstellen von Präsentationen, Textverarbeitung, MindMaps, Wikis, Podcasts, Blogs, Musikstücken oder dem Schneiden von Filmen – schon gar nicht aber mit der systematischen Dateiablage – vertraut.

Es darf nicht unterschätzt werden, wieviel Zeit gerade die methodische Einführung in die Arbeit mit Tablets erfordern kann: Eine grundlegende Einführung ins Betriebssystem, wichtige Einstellungen, die Dateiablage (z.B. mittels „Documents 6“), die Arbeit mit Notizen-Apps (wie z.B. „GoodNotes 4“) und die Nutzung von Scanner-Apps (wie z.B. „Scanner Pro“) – das erfordert Zeit und Geduld, damit alle auf einem Stand sind.

Und nicht umsonst wird immerfort die Schulung der Medienkompetenz gepredigt: Datenschutz, das Erkennen von vertrauenswürdigen Quellen bzw. auf der anderen Seite „Fake News“ oder korrektes Zitieren sind nur einige Themengebiete, mit denen viele Kinder und Jugendliche noch umzugehen lernen müssen.


8. Festlegung von Nutzungsregeln:

Damit der Tablet-Einsatz möglichst reibungslos abläuft, keine Unterrichtszeit kostet und wenig ablenkt, sollten Sie sich mit Ihrer Klasse auf Regeln und Konsequenzen bei Verstößen einigen.

Bei schuleigenen Tablets empfiehlt es sich darüber hinaus z. B. den App-Store, den Zugriff zu den Einstellungen im E-Mail-Account und die Möglichkeit Apps zu löschen zu deaktivieren.

Zu den Tablet-Regeln könnten beispielsweise folgende Punkte zählen:

  • Das Tablet soll zuhause immer vollständig aufgeladen werden.
  • Das Tablet wird immer mit in die Schule gebracht.
  • Das Tablet darf nur benutzt werden, wenn die Lehrkraft dazu auffordert.
  • In den Pausen/am Unterrichtsende werden die Tablets eingeschlossen.
  • Die Schüler achten darauf, ausreichend Speicherkapazität (20 – 30%) frei zu halten.
  • Jeder Schüler geht sorgsam mit dem Tablet um.
  • Auf den Tablets der Mitschüler darf ohne deren Wissen nichts gelöscht, verändert oder installiert werden.
  • Es dürfen keine Bilder von Mitschülerinnen und Mitschülern aufgenommen werden – bei Bedarf muss vorher eine Einwilligung der Betroffenen eingeholt werden.

9. Positive Zielsetzung: Motivation und positive Zielsetzung im Zusammenhang

Ein zusammenfassender und bewusst positiv formulierter Blick auf die Chancen tabletunterstützten Unterrichts soll abschließend kurz die Motivation begründen, mit der viele Schulen ein Tablet-Projekt beginnen. Setzen auch Sie sich bei Ihrem Projekt positive Ziele als Grundlage, vergessen Sie dabei aber nicht, an neue Probleme und Schwierigkeiten zu denken, die sich durch die Nutzung des Mediums Tablet ergeben können. Am THG legten wir folgenden Positiv-Aspekte unseren Planungen zugrunde:

  1. Mehr Motivation: Unsere Erfahrungen zeigen eine höhere Motivation der Schülerinnen und Schüler, da sie bei der Recherche schnellen Zugriff auf nötige Informationen haben, Ergebnisse leicht austauschen, gemeinsam an Dokumenten arbeiten und professionelle Präsentationen erstellen sowie die multimedialen Möglichkeiten des Tablets nutzen können.
  2. Mehr Aktualität und Passgenauigkeit des Lernangebots: Der richtige Einsatz von Tablets bietet großes didaktisches Potential. Besonders das entdeckende, selbstständige wie auch unterschiedliche und differenzierte Lernen kann besser gefördert werden.
  3. Mehr Medienkompetenz: Die SuS erweitern ihre Medienkompetenz und ihr Medialitätsbewusstsein im Sinne sicherer Anwendung und Nutzung digitaler Medien, des Wissens über digitale Medien, der kreativen und innovativen Gestaltung von Medienprodukten und der Medienkritik: Nicht nur zum Thema Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, sondern auch im grundsätzlich kritischen Hinterfragen der im Internet vorhandenen Informationen sowie allgemein auch der Mediennutzung.
  4. Mehr Studien- und Berufsnähe: Der vertraute Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien spielt in der Studien- und Arbeitswelt eine große Rolle, worauf das Gymnasium in seiner allgemeinbildenden Funktion grundlegend und mit Blick auf die Studierfähigkeit (systematisch in der Sek. II) wissenschaftspropädeutisch vorbereiten kann.
  5. Mehr Mitgestaltung: Als zusätzliche Möglichkeit bietet sich den Jugendlichen die Chance den Unterricht mitzugestalten und für die Erarbeitung und kreative Umsetzung von Lerninhalten sowie deren Präsentationsmöglichkeiten die neuen Medien zu nutzen. Diese Möglichkeiten erlauben es, Erarbeitetes professionell in Form von interaktiven Aufgabensammlungen und integrierten Audio- und Videobeiträgen, Diagrammen etc. zu gestalten und im Unterricht einzusetzen.
  6. Mehr Arbeitsmaterial: Das Erstellen und Bearbeiten von schul- und klasseninternen, fachspezifischen und sogar individuellen Lernmaterialien wird in einem für die Schülerinnen und Schüler motivierenden Kontext ermöglicht, da deren eigene kreative Ideen mit einem technisch geringen Aufwand multimedial in das Unterrichtsgeschehen einfließen können. Lehrkräfte können zudem einen größeren Materialfundus leichter und flexibler einsetzen.
  7. Mehr Ergebnissicherungen: Das Tablet bietet die Möglichkeit, das Festhalten von Arbeitsergebnissen, Tafelbildern, Notieren von Schülerexperimenten etc. effizienter zu gestalten, indem bspw. langwierige Tafelsicherungen mittels GoodNotes sowohl einfacher und übersichtlicher als auch schülerzentrierter (z.B. mit Blick auf die Klasse) ablaufen.[2]

 


Diese Ausführungen bauen in vielen Punkten auf dem Beitrag „8 Tipps zur Umsetzung einer Tablet-Klasse“ von Bettina Kroker auf dem Betzold-Blog auf, die ich um eigene Projekt-Erfahrungen ergänzt und erweitert habe. Sollten Sie weitere wichtige Punkte vermissen, geben Sie gerne kurz Rückmeldung.


 

[1] MDM: Mobile Device Management (zentrale Verwaltung aller in der Schule genutzten Geräte über einen schuleigenen Server – z.B. Apps laden, Klassenzuordnung etc.).

[2] In Anlehnung an Ausführungen der IGS Geismar.

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