Im Rahmen digitaler Schulentwicklung sind zwei Fragen von zentraler Bedeutung: Wie gelingt eine Unterrichtsentwicklung, die dem Leitmedienwechsel in Zeiten digitaler Transformation angemessen Rechnung trägt und wie gelingt dann die damit verbundene lernförderliche Nutzung digitaler Ressourcen?

Kurz gefasst lässt sich darauf eine einfache Antwort geben: Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen durch Lehrerfortbildung und Erfahrungsaufbau.

Landeskonzepte zur Lehrerfortbildung und Digitalisierung?

Das hat auch – in unserem Falle – die Landesregierung Niedersachsen erkannt und im Juli 2016 das Landeskonzept „Ziellinie 2020“ beschlossen. Das Konzept fasst alle Maßnahmen und Ziele zusammen, die sich das Land mit Blick auf das Thema Medienbildung bzw. Bildung in der digitalen Welt gegeben hat. Ein besonderes Augenmerk bzgl. Lehrerfortbildung und Digitalisierung liegt auf der Qualifizierung der Lehrkräfte: „Die Medienbildung wird deshalb künftig bei der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte an niedersächsischen Schulen noch wichtiger werden. Zum einen werden entsprechende Inhalte bereits in die Lehramtsausbildung integriert. Zum anderen werden den Lehrerinnen und Lehrern, die bereits an Niedersachsens Schulen arbeiten, entsprechende Fort- und Weiterbildungen angeboten.“ (Ziellinie 2020)

Viel passiert ist bisher nicht.

Schulinterne Qualifizierung als Grundbedingung

Natürlich werden Fortbildungen angeboten und es ist ein langsam steigendes Angebot zu erkennen. Letztlich bleiben aber schulinterne Qualifizierungskonzepte die häufig praktizierte Standardlösung. So auch bei uns am Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen. Mehrere Projektbeteiligte arbeiten seit Jahren an unterschiedlichen Weiterbildungselementen und entwickelten bei Projektbeginn ein Konzept, das auf unterschiedlichen Säulen beruht und angesichts knapper Zeitressourcen bei zugleich steigendem Interesse kontinuierlicher Weiterentwicklung unterliegt.

Fortbildungskonzept (im ML-Projekt „Multimediales Lernen“) am THG Göttingen 2017 – Ideensammlung oder praktikables Weiterbildungskonzept?

Aus diesem anfangs entwickelten Modell, das eher einer Ideensammlung entspricht, kristallisierten sich dann schnell einzelne Elemente heraus, die praktikabel und zielführend erscheinen und zugleich ressourcenschonend durchführbar sind. So liegt den Weiterbildungen inzwischen ein auf den Bedarf hin reduziertes Konzept zugrunde, das auf drei Angeboten beruht, von denen zwei freiwillig und nur die bislang einmal jährlich durchgeführten ganztägigen SchiLfs verbindlich sind. Dieses Konzept entstand auf Basis des sehr empfehlenswerten Artikels „Lehrerfortbildung im digitalen Wandel. Ein schulinternes Qualifizierungskonzept“ (Pädagogik 04/19), dessen Autoren die Qualifizierungsmaßnahmen ihres Gymnasiums vorstellen. Die Vielzahl an Fortbildungsmöglichkeiten führten wir nach Vorbild des Artikels in einem klaren und übersichtlichen Schaubild mit den drei wichtigsten Formaten zusammen.

Fortbildungsformate am THG Göttingen 2019 – drei unterschiedlich komplexe und zeitintensive Fortbildungsangebote in jeweils unterschiedlicher inhaltlicher Tiefe

Mini-Fortbildungen: Motivierend, präzise und kurzweilig

Besonders bewährt haben sich seit Februar 2019 die „Mini-Fortbildungen in der Mittagspause“, die aus einer im #twitterlehrerzimmer ausgetauschten Ideensammlung heraus auch bei uns etabliert wurden.

Die vorher durchgeführten 90 Minuten – Fortbildungen gingen häufig doch sehr an die Konzentration und Grenzen der Aufnahmefähigkeit. Mit den Mini-Fortbildungen haben wir inzwischen ein Konzept gefunden, das verschiedene Vorteile vereint: Kurzweilige Inputs und Praxisbeispiele haben Anwendungsbezug – Zeitrahmen verhindert Überlastung – kurzes Ausprobieren unter Anleitung baut Unsicherheiten ab – Weiterarbeit zuhause oder in Kleingruppen mit eigenen Inhalten für die eigenen Lerngruppen – Anwendung im eigenen Unterricht auf Basis der Eindrücke aus der Fortbildung.

Natürlich ist die mit dreißig Minuten recht knapp angesetzte Zeit fast immer zu kurz, aber die Mittagspause ist für viele Kolleginnen und Kollegen ein passendes Zeitfenster. Zudem ist der begrenzte Zeitrahmen auch Motivation, die Inhalte auf ein gutes Maß zu reduzieren und nach höchstens 15 Minuten Inputzeit dann auch wirklich zur Praxis überzugehen…

Da das Konzept „Multimediales Lernen“ am THG auf wenigen Basis-Apps aufbaut, geht es auch in den Fortbildungen um die Weiterentwicklung dieser Basis-Kompetenzen. Ergänzt werden sie aber durch Themen, die in den Fachgruppen interessant / relevant erscheinen oder einfach von Kolleginnen und Kollegen aus persönlicher Motivation angeboten werden.

Der Ablauf ist denkbar einfach: Aushang im Lehrerzimmer –> Eintragen –> Terminverabredung per Doodle –> Aushang der verabredeten Termine für weitere Interessierte –> Fortbildung.

Das bei uns verwendete Poster, das sich an einer Vorlage aus dem #twitterlehrerzimmer bzw. frausonnigsblog orientiert, verdeutlicht das Vorgehen und die Vielzahl möglicher und aus dem Kollegium heraus entwickelter Fortbildungsthemen.

Mini-Fortbildungen_THG-ML_anonym

 

Kurze Einschätzung

Der hier aufgezeigte Entwicklungsprozess unseres Fortbildungskonzeptes verdeutlicht, wie wichtig es für (digitale) Schulentwicklung ist, an die jeweiligen Schulbedingungen und Lehrkräfte angepasste Fortbildungsformate zu finden und zu etablieren. Umfangreiche Ideensammlungen und differenzierte Konzepte weichen unter Praxisbedingungen schnell einem pragmatischen und am Bedarf orientierten Konzept, das dann aber auch Interesse und Motivation hervorrufen und die Unterrichtsentwicklung fördern kann. Gerade die Mini-Fortbildungen in der Mittagspause haben sich bei uns bewährt und werden weiter fortgeführt.

Dieses Plädoyer für niedrigschwellige Fortbildungsformate beinhaltet aber als Grundvoraussetzung, dass ein Weiterbildungsrahmen existiert, der über die Mini-Fortbildung hinausgeht. Weiterführende Fortbildungsangebote wie Vertiefungsfortbildungen (2-3 Stunden) oder schulinterne Lehrerfortbildungen (ganztägige SchiLfs) sollten die kleinteilige Arbeit in den Mini-Fortbildungen zusammenführen und weiterentwickeln.


Hilfreiche Materialien

Eine gute Grundlage mit Einführung und konkreten Praxishinweisen bietet auch die Übersicht „Mikrofortbildungen als Schulentwicklungsbaustein“ aus dem „Prozess der Werkstatt schulentwicklung.digital 2018/19“, die über das Forum Bildung Digitalisierung unter Creative Commons Lizenz 4.0 (CC BY 4.0) verfügbar ist:

Mikrofortbildungen-als-Schulentwicklungsbaustein

1 KOMMENTAR

  1. Tolles Konzept. Danke, dass du es teilst.

    Ich würde auf jeden Fall auch ein Modul planen zur datenschutzkonformen Nutzung der iPads im Unterricht. Worauf sollte man als Lehrkraft achten, wie kann man datensparsam arbeiten im Unterricht und wie kann man Schüler dabei für die Thematik sensibilisieren?

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